Angie Sage im Interview
Sie haben viele Bilderbücher und Geschichten für Kinder geschrieben. Was hat Sie zu Ihrem ersten Roman Septimus Heap - Magyk inspiriert?
Die Figur des Septimus Heap spukte mir schon lange im Kopf herum - und auch die Welt, in der er lebte. Ich wusste, dass Septimus in einer merkwürdigen und feindseligen Welt lebte und dass er keine Ahnung hatte, wer er in Wirklichkeit war. Aber erst als die Zauberin Marcia auf der Bildfläche erschien, kam die Geschichte ins Rollen. Sie war sehr herrisch und bestand einfach darauf, dass ich weiter schrieb - und zu Marcia sagt man nicht nein.
Als Sie mit dem Schreiben begannen, wussten Sie da, was mit Septimus geschehen würde, oder haben sich die Figuren und die Geschichte erst beim Schreiben entwickelt?
Ich wusste, was am Ende mit Septimus geschehen würde, aber ich wusste nicht genau, wie es dazu kommen oder wem er unterwegs begegnen würde. Das ist das Aufregende daran, über die Welt, in der er lebt, zu schreiben - es tauchen einfach so viele Geschöpfe und Menschen auf, die dafür sorgen, dass etwas geschieht.
Erzählen Sie uns etwas mehr von der Welt, die Sie erschaffen haben - der Burg, der Stadt Port, dem Wald, den Marschen . Liegen diesen Schauplätzen reale Orte zugrunde, die Sie kennen und lieben?
Die leicht verrückte Atmosphäre dieser Welt rührt daher, dass ich in Cornwall in England lebe!
Die Burg ist eigentlich eine große Stadt mit einer Mauer drumherum. Ich liebe Geschichte, und ich habe sie den alten ummauerten Städten nachempfunden, die völlig unabhängig waren und fast so etwas wie kleine, rechtlich eigenständige Nationalstaaten bildeten. Außerdem habe ich mir damit einen kleinen Wunsch erfüllt, denn ich glaube, es wäre eine tolle Sache, dort zu leben.
Port ist eine Mischung aus verschiedenen Hafenstädten hier in der Gegend, nur eben viel größer. Ich liebe den Trubel, wenn irgendwo Schiffe ankommen - na ja, es könnte überall sein. So ungefähr stelle ich mir Port vor, als eine Stadt voller Abenteuer, in der Geschichten anfangen und auch enden.
Der Wald ist den Wäldern des Mittelalters nachempfunden, die riesig waren und in denen man nach seinen eigenen Gesetzen lebte. Dem Fremden waren sie unheimlich, aber wer dort zu Hause war, blieb unbehelligt von der Obrigkeit der Außenwelt.
Auf die Idee mit den Marschen haben mich die vielen Sumpflöcher am Ende der kleinen Bucht gebracht, an der ich wohne, nur sind sie viel, viel größer. Vor ein paar Jahren bin ich mal durch die kleinen Kanäle gepaddelt, die mit dem Kanu gerade noch befahrbar sind. Ich habe mir gedacht, dass es einen Riesenspaß machen müsste, so etwas im Rahmen einer Reise zu tun. Alle Gezeiten und Mondphasen im Buch sind real, und die Zeiten von Ebbe und Flut sind die für Falmouth in Cornwall.
Stimmt es, dass Sie selbst ein Boot namens Muriel besitzen?
Ja. Es ist genau wie die Muriel im Buch. Ein so genannter Picarooner, ein kleines offenes Boot, das zum Heringsfischen in Küstengewässern benutzt wird (allerdings würde meine Muriel einen Hering nicht erkennen, wenn einer hochspringen und sie beißen würde.) Sie ist grün und hat dunkelrote Segel. Außerdem hat sie einen Außenbordmotor, was Nicko wohl nicht gefallen würde.
Im Mittelpunkt von Septimus Heap - Magyk stehen die menschliche Wärme und Stärke der Familie Heap. Welche Eigenschaften bewundern Sie an den Heaps am meisten?
Ich mag ihre chaotische Art, das Leben so zu nehmen, wie es ist, und dass sie nichts tun, was die Obrigkeit von ihnen verlangt, wenn sie es für falsch halten. Manchmal geschehen Dinge, die ihnen das Leben schwer machen, aber sie jammern nicht, sie machen einfach weiter und wursteln sich irgendwie durch. Ich finde es beachtlich, wie sie andere Menschen akzeptieren, und ich glaube, das liegt daran, dass sie gemeinsam so stark sind.
Sie sind auch eine Familie, die durch die Umstände auseinander gerissen wird - und ich wollte zeigen, dass Familien auch dann zusammenhalten und füreinander da sein können, wenn sie getrennt leben.
Eins müssen wir Sie noch fragen: Glauben Sie an Zauberei?
Aber natürlich!



